Mount Whitney

Montag, 7. Juli 2014

Morgens um 7 fahren wir ein Auto zum Whitney Portal, damit es dort nach unserer Wanderung bereit steht. Nachdem wir die 2. Bärbox geholt haben fahren wir mit dem anderen Auto zum Onion Valley. Hier beginnt unsere Wanderung – wir steigen in den Kearsarge Pass ein und müssen direkt zu anfangs einen Aufstieg von 800 Höhenmeter auf ca. 8 km Länge bewältigen. Oben auf dem 3600m hohen Pass öffnet sich der Blick in ein Tal des Kings Canyon National Park mit vielen Seen. Wir steigen in das Tal hinab an dessen Ende wir auf den John Muir Trail stoßen, dem wir bis zu unserem ersten Zeltplatz folgen. Jetzt heißt es fix das Zelt aufbauen und Essen machen. Nun muss alles wieder bärenfest verstaut und verpackt werden bevor wir uns in die warmen Schlafsäcke verkrümeln können.

Dienstag, 8. Juli 2014

Um 5 Uhr klingelt der Wecker. Draußen ist es noch Dunkel. Wir brauchen ein paar Minuten, um uns aus den warmen Schlafsäcken zu schälen. Als wir mit dem Frühstück fertig sind erwacht auch Martin von den Schlafenden. Eine gute Stunde später ist das Lager abgebrochen und wir sind wieder on track auf dem John Muir Trail. Heute müssen wir den über 4000m hohen Forrester Pass überwinden. Anfangs führt der Weg nur leicht bergauf direkt durch Wald. Mit der zZit wird es jedoch immer karger und vor allem steiler bis wir uns schließlich in einer alpinen Geröllwüste befinden. Auch der anfangs blaue Himmel zieht sich mehr und mehr zu und wird so grau wie die Steine unter unseren Füßen – vor allem aus der Richtung, in die wir wollen. Auch das zuerst noch ferne Donnergrollen kommt immer näher bis es schließlich überall um uns herum zu sein scheint. Zwischenzeitlich fängt es auch an zu regnen. Da es in dieser kargen, exponierten Lage alles andere als ungefährlich ist, beschließen wir, uns in eine halbwegs geschützte Lage hinter einem größeren Fels zu verkriechen und abzuwarten. Währenddessen gesellen sich zum Regen noch ein paar Hagelkörner. Nach etwa einer halben Stunde scheint zumindest das Gewitter weiter gezogen zu sein – auch wenn es noch regnet. Wir setzen unseren Weg hinauf zum Pass fort. Nach einem schier nicht enden wollenden Zickzack steil hinauf durch die Gerölllandschaft mit immer dünner werdender Luft erreichen wir schließlich den 4023m hohen Grat, den bisher höchsten Punkt unserer Wanderschaft. Inzwischen haben sich auch die restlichen bösen Wolken verzogen und es klart immer mehr auf. Nach ein paar Fotos und einer Pause gehen wir den Abstig auf der anderen Seite an. Dieser verläuft wieder im Zickzack auf 1-1 1/2 m schmalen Weg an einer nahezu senkrechten Felswand hinunter. Nach dem Abstieg führt der Weg noch einige Kilometer leicht bergab durch eine karg bewachsene Landschaft. Die erste Zeit blicken wir immer wieder ungläubig auf die hohe Felswand zurück, die wir gerade hinab gestiegen sind. Den Weg selbst können wir von hier unten kaum noch ausmachen… Links und rechts des weiteren Weges tauchen immer wieder kleine putzige Murmeltiere auf. Einige Mutige davon lassen sich überhaupt nicht von uns stören, sodass wir bis auf wenige Meter heran gehen können. Die letzten Kilometer, die wie üblich doppelt so lang erscheinen als sie tatsächlich sind, führen uns in ein kleines Wäldchen am Fluß, wo wir unser Nachtlager aufschlagen.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Wir stehen zur gleichen Zeit wie gestern auf, da wir heute eine sehr lange Etappe vor uns haben. Heute gibt es keine besonderen Höhepunkte. Der Weg führt auf und ab durch Sequoia Wälder und über Geröllwüsten. Am Ende geht es nochmal ein paar hundert Höhenmeter hinauf bis zum Guitar Lake – einem See auf 3500m Höhe, wo wir unser Lager für heute Nacht aufschlagen. Ein recht ereignisarmer Tag geht zu Ende bevor wir morgen den Höhepunkt der Tour – die Besteigung des Mt. Whitney – erleben dürfen.

Donnerstag, 10. Juli 2014

Da nachmittags regelmäßig Gewitter aufziehen und wir dies nicht unbedingt auf dem Berg erleben wollen, haben wir uns den Wecker auf 4 Uhr gestellt. Als wir das Zelt schlaftrunken verlassen, ist es noch dunkel und über uns funkelt der Sternenhimmel. In der Ferne sehen wir Taschenlampenschein von anderen Wanderern, die wohl noch früher aufgestanden sind als wir und schon auf dem Weg nach oben sind. Kurz vor 6 Uhr machen auch wir uns auf den Weg. 1000 Höhenmeter sind es noch bis zum Gipfel und es geht auch von Anfang an aufwärts. Nach 3 1/2 Stunden erreichen wir in 4100m Höhe die Wegkreuzung, die links auf den Gipfel und gerade aus zum Whitney Portal – unserem morgigen Endziel – führt. Da uns der linke Weg zum Gipfel und wieder zurück führt, können wir unsere schweren Rucksäcke hier zurück lassen und, befreit von unseren Lasten, den Weg weiter nach oben antreten. Nach einem beschwerlichen teils abenteuerlichen Weg erreichen wir nach ca. 1 1/2 Stunden den nochmal über 300 Höhenmeter höher gelegenen Gipfel. Oben angekommen sehen wir eine Steinhütte. Davor liegt ein Gipfelbuch, in das wir uns auch eintragen. Auch die obligatorischen Fotos vor einer Platte mit genauer Höhenangabe werden gemacht. Dann machen wir uns wieder auf den Rückweg. Zurück an der Wegkreuzung brauchen wir alle erst mal eine Stärkung. Wir legen eine kräftigende Pause ein und beobachten ein Murmeltier. Dabei stellt Alex fest, dass eine Seitentasche seines Rucksacks, in dem noch ein Snickers war, angeknabbert ist… Frisch gestärkt, wie das Murmeltier, nehmen wir unsere Rucksäcke und machen uns an den weiteren Abstieg, der plötzlich blöderweise mit einem knackigen Aufstieg beginnt. Auf der anderen Seite des Berges erfolgt dann der richtige Abstieg über 100 Serpentinen (von mir persönlich nachgezählt!) in die Tiefe. Als wir schon gar nicht mehr glauben, dass das jemals enden wird, erreichen wir den Zeltplatz. Da dieser sich immer noch auf fast 4000 m Höhe befindet, gibt es hier kaum Grün und wir müssten unser Zelt irgendwo in dieser Granitgesteinswüste aufbauen. Da uns das nicht wirklich gefällt entscheiden wir uns, den etwas 4 km weiter des Weges liegenden Campingplatz anzusteuern. Dieser liegt auch nochmal 500m tiefer und hier ist alles viel grüner und lebendiger. Zwischen Sequoiabäumen in der Nähe eines rauschenden Wasserfalls schlagen wir nun endgültig unser Zelt auf.

Freitag, 11. Juli 2014

Noch vor Sonnenaufgang sehen wir den ersten Schein von Taschenlampen durch die Zeltwand. Hier sind wohl die ersten Eintages-Mt. Whitney-Besteiger schon unterwegs. Wir aber drehen uns nochmal rum und stehen erst auf als die Sonne die Gipfel der uns umgebenden Berge streift. Nach den üblichen Morgenritualen brechen wir auf, um die letzten paar hundert Höhenmeter hinab zum Whitney Portal hinter uns zu bringen. Wir begegnen noch einigen Wanderern, die den Weg zum Gipfel noch vor sich haben und genießen noch die letzten Momente in der schönen Umgebung. Unten angekommen beantwortet sich für uns auch die noch offene Frage zur Entsorgung der benutzten Poop-Box – dafür stehen eigene mit „Biohazard“ Aufkleber versehene Container parrat. Wir holen das andere Auto vom Onion Valley, Martin gibt zwischenzeitlich die Bärboxen wieder ab, wir kaufen noch die ein oder andere Belohnung 😉 und Souvenirs und machen uns dann direkt auf den Weg nach Las Vegas.

6 Responses to Mount Whitney

  1. Eva Hartwich sagt:

    Eine sehr interessante Flora und Fauna habt ihr durchwandert, mit schönen Ausblicken.

    • Silvana sagt:

      ja, und es war erstaunlich, wie weit oben über der Baumgrenze überhaupt noch was wächst…

    • Eva Hartwich sagt:

      Habe mir alles nochmal angeschaut. Hut ab vor Eurer Leistung, es sah manchmal ziemlich beschwerlich aus. Wettermäßig war alles dabei und das Gepäck ist auch alles andere als leicht. Dafür habt Ihr Euch und auch alle Anderen die das lesen und anschauen mit herrlichen Fotos belohnt.

  2. Martin Hild sagt:

    Ganz tolle Bilder! Bin ein bisschen neidisch auf die Fotos. Irgendwie ist mir garnicht aufgefallen, dass du die Bilder gemacht hast. Ich war ja für jedes Foto ewig am Rumfummeln an der kleinen Kamera.

    War auf jeden Fall eine schöne Tour!

    Freue mich wirklich, dass du endlich den Bericht gepostet hast. Ich hoffe, dass das ok ist, wenn ich den bei mir verlinke.

  3. Pingback: USA 2014 – Das Finale » sköldpadda.de

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