Unsere Bezwingung der Zugspitze

Tag 1 – von Garmisch-Partenkirchen zur Knorrhütte

Unser Frühstück ist ausgiebiger als normal – wir haben ja auch viel vor …

Um kurz vor acht startet unsere Bergtour. Unser Auto stellen wir auf dem Parkplatz vorm Skistadion ab. Von dort geht es in Richtung Partnachklamm – eine 700 Meter lange und rund 80 Meter tiefe Felsschlucht durch die sich die Partnach ihren Weg bahnt. Über die nächsten Stunden unserer Wanderung soll die Partnach ein mitunter tosender Wegbegleiter sein.

Nichtsahnend, was am heutigen Tag noch von uns abverlangt wird genießen wir die ersten Kilometer entlang der Partnach. Nach der wildromantischen Partnachklamm mit ihren tosenden Wassern wandern wir auf breiten Schotterstrassen durch den Wald. Wir beobachten Schmetterlinge, Ameisen und Alex versucht sich als Tier- und Pflanzenfotograf 😉 und wir machen unsere erste kurze Pause.

Später geht die Strecke in einen schönen Wanderweg über – immer an der Partnach entlang – vorbei an der Bockhütte. Einige Zeit später führt uns unser Weg, der immer beschwerlicher wird, vorbei an einem gewaltigen Wasserfall. Mir persönlich fällt es in diesem Moment schwer, diese Schönheit der Natur zu genießen, da die Steigung des Weges doch sehr an meinen Kräften zerrt. Aber das soll noch nicht die größte Hürde des Tages gewesen sein…es macht sich nun doch recht stark bemerkbar, dass wir in den Bergen unterwegs sind und die Zugspitze, den höchsten deutschen Gipfel der Alpen, erklimmen wollen…

Da wir einen Zwischenstopp an der Reintalangerhütte eingeplant haben, machen wir uns nach ein paar Fotos weiter auf den Weg zu der wunderschön an der zwischenzeitlich recht zahmen Partnach gelegenen Reintalangerhütte. Hier legen wir unsere zweite Pause ein und genießen ein energiereiches Mittagessen.

Nach und nach entfernen wir uns von der Partnach. Wir queren ein größeres Geröllfeld. Hier ist man auf die Markierungen angewiesen, die in Form von roten Punkten oder rotweißen Streifen auf größere Steine gemalt sind. Manchmal mussten wir kurz inne halten, um die nächste Markierung zu entdecken.

Am Ende des Geröllfeldes können wir auch schon unsere nächste Herausforderung sehen… Nun geht’s in steilen Serpentinen über Wurzeln und Gesteinsbrocken dem Himmel entgegen. Der Weg ist sehr anstrengend, aber mit ein wenig Grün noch zu ertragen. Einige Zeit später verlässt uns aber das satte Grün der Latschenkiefern. Nun geht es weiter in Serpentinen steil bergauf über ein riesiges Geröllfeld. Wer hier nicht trittsicher ist hat verloren, denn hier fühlt sich das Laufen an wie 30 cm vorwärts gehen und 20 cm zurück rutschen.  Das macht keinen Spaß und ist ziemlich demotivierend. Leider bleibt uns aber nichts anderes übrig, als uns da durch zu beißen. Nach bereits 12 km Wanderung ist das wahrlich nicht leicht. Irgendwann fange ich aus lauter Verzweiflung an, mit mir selbst zu reden. Ich versuche mich selbst vom Aufgeben abzuhalten, denn Aufgeben kam nicht in Frage…

Irgendwann nach gefühlten Millionen Stunden erspähe ich das Dach einer Hütte – der Knorrhütte – unserem heutigen Etappenziel. Bis dorthin liegt noch ein beschwerliches Stück Weg vor uns, aber mit dem Ziel fest im Blick.

Endlich nach 8 Stunden Strapazen kommen wir auf der Knorrhütte an. Wir beziehen unser reserviertes Matratzenlager, ruhen ein wenig aus und gehen dann Duschen. Gegen acht Uhr am Abend sind wir so platt, dass wir uns auf unsere Matratzen begeben. Ab in den Hüttenschlafsack, Ohropax in die Ohren und in der Hoffnung auf den erholsamen Schlaf die Äuglein zugemacht…gegen elf Uhr wurden wir plötzlich von Alarm geweckt. Glücklicherweise stellte sich kurze Zeit später heraus, dass nichts passiert ist. Es gab wohl nur einen Stromausfall…

Wir versuchen also in dem stickigen Zimmer wieder einzuschlafen – diese Nacht war nicht wirklich erholsam…


Tag 2 – von der Knorrhütte zum Gipfel

Am nächsten Morgen werden wir durch die lautstarken Geräusche ziemlich rücksichtsloser Menschen geweckt. Es ist ca. 6 Uhr und wir beschließen ebenfalls aufzustehen, packen unseren Krempel und tragen alles möglichst leise aus dem Lager heraus, damit die anderen noch weiter schlafen können.

Wir machen uns frisch und setzen uns vor die Hütte um uns noch ein wenig mit dem mitgebrachten Snacks zu stärken. Frühstück gibt’s auf der Knorrhütte erst ab halb acht. Das ist uns zu spät.

Gegen halb sieben machen wir uns auf zur zweiten Etappe…

Hinter der Hütte geht es weiter steil hinauf. Wir erreichen das Zugspitzplatt. Hier führt uns der Weg über eine geröllige Mondlandschaft und vereinzelte Schneefelder zur Seilbahnstation Sonn-Alpin in mittlerweile 2576 m Höhe. Als ich den weiteren Weg mehr erahne als sehe, überlege ich ernsthaft, für den restlichen Weg auf die Seilbahn auszuweichen…

Aber das käme einer Aufgabe gleich und die kam ja nicht in Frage…Also legen wir eine Pause ein, um uns für diesen weiteren Anstieg zu stärken. Es geht über einen sehr steilen Geröllhang rechts am Schneefernerhaus – mit 2650 m Deutschlands höchst gelegener Forschungsstation – vorbei. Das Münchner Haus auf dem Gipfel war auch schon zu sehen, was uns etwas Mut gab. Hier darf man nicht mehr darüber nachdenken, was man gerade tut. Es grenzt fast an Wahnsinn, wie wir mit mehreren kleinen Pausen diesen steilen Geröllberg bezwingen.

Auf ca. 2700 m Höhe war plötzlich Schluss mit dem Geröll. Felsen beherrschten nun unseren weiteren Weg, was wieder Spaß machte, denn ab hier führt der Weg als Klettersteig weiter. Wir besitzen zwar keine Ausrüstung dafür, die angebrachten Drahtseile helfen uns aber ganz gut, die Felsen zu überwinden. Auch hier benötigt man große Konzentration, Trittsicherheit und vor allem Schwindelfreiheit. Während wir die Felswand hinauf kletterten, blickten wir ab und zu nach oben und sahen nichts als Felsen. Der Berg schien kein Ende zu haben…

Wir erreichen den Grat. Alex musste mich darauf hinweisen, dass ich mich gerade auf dem Grat zwischen Deutschland und Österreich befinde. Wir legen eine kleine Pause ein um den Weitblick zu genießen und etwas Kraft für die letzten Meter zu sammeln und unterhalten uns ein wenig mit einem anderen Wanderer, der diese Tour nicht zum ersten mal macht. Mir kommt es immer mehr so vor, als ob Bergbesteigungen hier unten im Süden Deutschlands wie Kegeltouren geplant und durchgeführt werden.

Nach weiteren zu erklimmenden Felsen kommen wir am Gipfel an. Man mag es kaum glauben, aber hier geht es über Treppenstufen hinauf zum Münchner Haus. ?Treppen? Was für eine Schande nach dieser Tour…

Wir genießen die Aussicht von Deutschlands höchstem Gipfel und gönnen uns eine kleine Brotzeit. Das Gipfelkreuz selbst steht auf einer kleinen Erhebung, die Alex und ich nun auch noch erklimmen. Hier werden wir am Wegesrand mehrfach davor gewarnt, diesen Weg nicht ohne alpine Ausrüstung zu gehen, da er mitunter doch recht lebensgefährlich ist. Wir sind hoch konzentriert, denn eine Bergbesteigung ist nichts, wenn man nicht am Gipfelkreuz steht. Um die Tour also abzuschließen mussten wir nur noch am Gipfelkreuz anschlagen, was sich als schwieriger herausstellte als ich dachte.

Das Gipfelkreuz befindet sich auf einem „kleinen“ Extraberg, was natürlich auch eine Extra Kletterei bedeutet. Um dorthin zu gelangen mussten wir zunächst über eine Treppe ein paar Meter nach unten gehen. Durch die Stufen kann man nach unten hindurch sehen…Gähnende Leere ist es, was man erblickt und jede Menge Felsen. Der ca. 1 m breite Weg erfordert Mut, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Rechts und links vom schmalen Weg gibt es ungeahnte Tiefen, worüber man besser nicht nachdenken sollte. Die restlichen anwesenden Touristen machen den Weg gleich noch schwieriger. Nachdem man eine Leiter hinauf gestiegen ist, muss man auf einem Grat wandeln, der ca. 50 cm breit ist und durch seine Beschaffenheit maximal von einer Person begangen werden kann. Aber auch das stört die anderen anwesenden Touristen nicht wirklich. Irgendwie haben wir es doch geschafft, zum Kreuz zu gelangen. Dort mussten wir nur gefühlte Stunden ausharren bis ein Asiatisches Paar genug Fotos von sich und dem Gipfelkreuz hatte. Nun waren wir dran. Wir positionierten und ließen unseren lieben Mitwanderer Martin ein paar Fotos von uns machen. Nun nix wie zurück auf die rettende Platte des Münchner Hauses.

Wir laufen noch von Deutschland nach Österreich und wieder zurück, kaufen noch die üblichen Souvenirs und verschicken natürlich eine Postkarte mit Zugspitzstempel.

Der Weg abwärts gestaltet sich wesentlich einfacher. Wir fahren mit der Seilbahn zum Sonn-Alpin und dann mit der Zahnradbahn weiter hinab nach Grainau. Dort steigen wir in einen anderen Zug um, der uns nach Garmisch bringt. Hier suchen wir uns ein Taxi, das uns zum Parkplatz am Skistadion zurück bringt.

Der Tag ist noch jung und wir fühlen uns nach den Bahnfahrten recht erholt. Also machen wir uns noch auf den Weg zum Eibsee. Martin wollte den Eibsee umrunden auf der Suche nach hübschen Orchideen. Alex und ich suchten erst einmal Schutz vor einem kräftigen Regenguss. Dann liefen wir ein wenig rum und gönnten uns ’nen Kaffee und ein Kaiserschmarrn in der nahe gelegenen Eibsee Alm. Dort sahen wir am Waldesrand einen Hirsch der dann einige Minuten später näher kam und auf der Wiese posierte.

Anschließend liefen wir auch noch ein paar Meter am Eibsee entlang. Als Martin wieder kam ging es wieder in das schon bekannte Hotel. Dort genossen wir erst mal die Dusche und saubere Toilette. Später dann schlenderten wir noch etwas durch Garmisch-Partenkirchen um noch etwas zu essen.

7 Responses to Unsere Bezwingung der Zugspitze

  1. Martin sagt:

    Hallo,
    toller Bericht und super Bilder! Irgendwie ist es ja doch so, dass sehr unterschiedliche Bilder herauskommen, obwohl man die gleiche Tour geht. Da muss ich mich jedenfalls ja ganz schön strecken. Ein ganz klein bisschen bereue ich es auch, die letzten Meter nicht gegangen zu sein. Mir war das einfach ein bisschen zu heikel mit den Touristen da.

    Jedenfalls wirklich großartiger Bericht und tolle Tour. Ich bin wirklich sehr glücklich und ein bisschen stolz auf uns, dass alles so gut geklappt hat. Das machte Lust auf mehr.

    Viele Grüße,
    Martin

  2. Mama sagt:

    Also, erst mal Danke für diesen herrlichen Reisebericht mit den tollen Fotos. Klasse, dass man auch auf der Karte nachschauen kann, wo das gerade ist.
    Beim Anblick mancher Fotos kann ich direkt fühlen wie steil das ist. Ich beneide Euch um Eure Ausdauer solche Strecken zu meistern. LG Mama

    • Silvana Hartwich sagt:

      Aber dafür musst du dich doch nicht bedanken. Es macht uns doch Spaß, diese Berichte zu schreiben ;o) und es freut uns, wenn andere sie lesen und Gefallen daran finden…
      Über unsere Ausdauer waren wir auch sehr erstaunt – ich hab ja bis zum letzten Moment an mir gezweifelt, dass ich das wirklich schaffe…und ich bin megastolz, dass ich das geschafft hab ;o)

  3. Pingback: sköldpadda.de

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